Samstag, 10. Mai 2014

Der kleine Unterschied

Warum ist Yoga kein Sport? Wenn ich bei You Tube das Stichwort Yoga eingebe, kommen zuerst Videos mit knackigen Frauen, die Übungen anbieten für eine schlanke Tailie und einen flachen Bauch. Menschen machen unglaubliche Verrenkungen und erbringen bei Yogaconventions Höchstleistungen. Also doch Sport mit viel Atmen? 

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In den Patanjali Yoga Sutras, einem der Basisbücher zum Thema Yoga unabhängig vom Yogastil, lese ich 195 Verse, die sich mit Yoga beschäftigen. Zwei Verse beziehen sich auf die Asanapraxis, die Yogaübungen, weitere drei beziehen sich auf Pranayama, die Atemausrichtung. Die restlichen 190 Verse erläutern Aspekte der menschlichen Entwicklung und des Verhaltens. Sie beziehen sich auf die  Beobachtung des Geistes und Meditation.
Feuerstein (2010), der ein umfassendes Buch zum Thema Yoga Tradition herausbrachte, merkt an das die Körperübungen in westlichen Yogakreisen überbetont werden.


Wie kann ich als Yogalehrerin die Aspekte der anderen 190 Verse mit in eine 90 Minuten Yogastunde bringen? Wie kann ich diese umfassenden Aspekte vermitteln? Seit Jahren beschäftige ich mich mit diesen Fragen und ein Wort sprang mich immer wieder an: Kontinuität. Wenn ich Zeit habe und mit Menschen über Jahre hinweg mich entwickeln kann, dann wird es möglich die Feinheiten zu vermitteln. Vom Groben zum Feinen: Über die körperliche Erfahrung hin zum Atmen hinein in den Geist. Dieser Weg bedarf seiner Zeit und ich freue mich immer wieder über meine Schüler, die dabei bleiben und mit mir üben.

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Gleichzeitig bemerke ich auch bei Yogaanfängern eine große Offenheit gegenüber einer stark nach Innen ausgerichteten Yogapraxis. In Workshops zum Thema Konzentration am Arbeitsplatz ist es mir sogar gelungen zum Thema Meditation zu arbeiten ohne klassische Yogaübungen vorran zu stellen. Mit der Ressonanz, dies doch bitte nocheinmal genauso anzubieten.

Yoga ist Erfahrung. Uns Yogalehrern obliegt es diese Erfahrung zu gestalten und Menschen während dieser Erfahrung zu begleiten.  Ich wünsche mir mehr Tiefe im Unterricht. Yoga boomt, weil Menschen sich erfahren wollen. Sie spüren, das durch die Übungen ihr gesamter Organismus harmonischer wird. Es ist verführerisch auf der Wohlfühlebene stecken zu bleiben. Yoga kann mehr und ist mehr als Wohlfühlsport.

"Hari Ohm Tat Sat" - "Möge das Gesagte im praktischen Alltag von Nutzen sein."


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