Montag, 25. August 2014

Bus fahren in Sri Lanka

Ich fühle mich wie ein gut geschüttelter Martini, nur sehe ich am Ende einer jeden Busfahrt nicht ganz so gut aus. Wenn man mich schüttelt, entfalltet sich kein besonderes Aroma und der Geschmack wird auch nicht besser. Jeder einzelne Busfahrer scheint hier der geborene Barkeeper nur ohne Bar dafür mit Bus, der mindestens zwanzig Jahre alt ist und garantiert in eine Werkstatt gehört.
Glücklicherweise hat irgendjemand irgendwann Sri Lankas Straßen aufgegepeppt und sie sind fast ohne Schlaglöcher und im Vergleich zu Indien ist hier wenig Verkehr unterwegs.
   
                                             

Auf unseren zahlreichen Busfahrten wurden wir äußerst vertraut mit der Sri Lankischen/Hindi Musik. Gab es einen geheimen Plan bestimmte andere Geräusche zu übertönen bzw. zu überdröhnen? Sollten wir vielleicht nicht auf die quietschenden Bremsen aufmerksam werden? Oder die fehlende Kupplung? Vielleicht sollten uns die monotonen wiederkehrenden Melodien einfach einlullen, damit wir bereitwillig mitschwingen bei Überholmanövern am Berg kurz vor einer Kurve mit Gegenverkehr.

Ängstlich blicke ich meine Mitreisenden an, ob sie reagieren oder vielleicht den Bus verlassen wollen. Um mich sehe ich Menschen, die vor sich hinschauen, mich anlächeln mit einem Bilck der sagt, alles ist in Ordnung. Wir sind so ca. hundert Leute in einem Bus für maximal achtzig. Natürlich halten wir an jeder Straße und nehmen noch Fahrgäste auf. 


Ich habe einen der begehrten Sitzplätze am Fenster ergattert. Neben mir sitzt mein Mann, Karsten. Bleibt noch ein freier Platz neben ihm. Die sri lankischen Frauen, die dicht gedrängt direkt an unserer Reihe stehen, können sich nicht entschließen sich zu setzen. Erst als ich den Platz mit meinem Mann tausche, sinkt eine der Frauen erleichtert auf den Platz neben mir nieder.


Plötzlicht steigt vorne im Bus ein Mönch ein. Sofort springt jemand in der ersten Reihe auf und er bekommet einen Platz. Auf der anderen Seite bevölkert eine sechsköpfige westliche Familie sechs Plätze. Sie haben zwei kleine Kinder dabei, die einen eigenen Sitz haben, dort liegen und schlafen. Immer wieder sehe ich, wie Sri Lankis dort hinschauen auf der Suche nach einem freien Platz. Mir als gut Durchgeschüttelte  ist klar, das ist ein NO GO. Kleine Kinder zahlen nix, kriegen dafür aber  keinen eigenen Platz sondern hängen auf dem Schoß der Eltern oder bei fremden Mitreisenden rum. Ebenfalls klar ist, das niemand etwas sagt. Das Gedränge im Bus wird inzwischen selbst im Sitzen unerträglich. Für den Busfahrer und seinen Fahrkartenverkäufer ist es ein gutes Geschäft.  Bei Ticketpreisen von 20 cent bis 1,50 € für bis zu drei Stunden Fahrt lohnt sich jeder zahlende Fahrgast.


Ruckartig bremmst der Bus, startet sofort wieder ins Vollgas, ein Grund war nicht ersichtlicht. Karsten analysiert Motoren und Kupplungsgeräusche. Ich bitte ihn ganz liebvoll mir die Ergebnisse dieser Analyse nicht mitzuteilen. Es fährt sich besser mit blindem Vertrauen.







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